Oranges and Lemons

Oranges and Lemons

Er wusste es nicht genau, und die Erinnerungen waren nicht getrennt und klar unterscheidbar. Der Himmel, leicht bewölkt im mittleren Sommer, schob seine Wolken halbwegs geordnet durch den Nachmittag. Oranges and lemons, ging ihm durch den Kopf. Oranges …, Südfrüchte, Auslagen eines Obstgeschäftes, im Süden oder hier, durch Südländer möglicherweise, Sonne vielleicht. Oranges and lemons, da war doch noch was, etwas Bedrückendes, Unerfreuliches.


Durch die hohen Kastanienbäume ging ein Rauschen, der Wind wühlte in ihnen und verlor dann sein Interesse. Eine langsam zurückkehrende Ruhe.


Say the bells of St. Clement’s. Yes. Es war wohl Vergangenheit – oder doch Zukunft? Eine gewisse Unordnung verfestigte sich in seinen Gedanken. Wo war er letztendlich? Die Frage danach, wer er sei, lehnte er kopfschüttelnd ab: Nicht das auch noch! Wo bewegte er sich, was suchte er? You owe me three farthings, tauchte aus nicht ergründbaren Tiefen auf. Ja, er erinnerte sich, daß in irgendwelchen alten Zeiten ein Farthing eine Münze war. Und zwar – was sich das Gehirn doch so alles merkt – a quarter of a Penny. Zu selbigen Zeiten war das der Wert. Ein Unterfangen für Historiker, zu klären, was man dafür kaufen konnte.


Ein erneutes Rauschen, Blättern, Grummeln in den Bäumen, den schattenreichen. Lichtflecken bezirzten Boden und Tisch. Say the bells of St. Martin’s. Aus der Erinnerung dieser Wörter erstand ihm das Bild einer Kirche: Zwei Türme, dazwischen eine große Rosette, darunter der Eingang. Ob das St. Martin war, konnte er nicht sicher sagen. Dennoch oder trotzdem erhielt sich dieses Bild, diese Anschauung. Eine gewisse Vollkommenheit in ihr.


Der Wind griff unfreundlich in die Baumkronen, eine Art Drohung schien sich bemerkbar zu machen. When will you pay me? forderte er aufbrausend. Blätter wirbelten. Zurücklehnend entkam er diesem infamen Angriff, wusste, wie die Geschichte, heute sagt man Narrativ, enden würde. Glaubte, es zu wissen, versuchte, das Unangenehme an der Geschichte zu erkennen. Der ungute Strom, unterirdisch, stetig, wartend, war nicht greifbar, nicht jetzt. Zahlen durchströmten sein Gehirn. Auch Bilder und Wörter: Say the bells of Old Bailey. Obwohl er den Namen oft gehört hatte oder meinte, ihn oft gehört zu haben, konnte er kein Bild damit verknüpfen. Er wusste nicht, was fehlte. Ein Bild ohne erkennbaren Inhalt.


Aus diesem Bild schälte sich überraschend ein Gefühl der Hilflosigkeit, ein Ausgesetztsein, ein Wähnen lauernder Gefahr. Der Wind hielt inne, Ruhe befiehl ihn. In der suchenden Bewegung der Gedanken: When I grow rich, say the bells of Shoreditch. Und schon wehte frisch der Wind vom Meer, leichtgläubig schlugen Wellen ans Ufer, seine Gedanken hielten die Gegenwart fest. In seinem Gehirn irrten Zahlen umher, bis sie sich letztendlich erkennbar ordneten: One – nine – eight – four.